Kaisergarten Siegen, eine wechselvolle Geschichte

Die Namensgebung Kaisergarten Siegen geht auf das sogenannte “Dreikaiserjahr“ von 1888 zurück, als nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I. am 9. März 1888 und dem nur 99tägigen Intermezzo des am 15. Juni 1888 verschiedenen Kaisers Friedrich III. dessen Sohn Wilhelm II. (1859 - 1941) neuer deutscher Kaiser wurde. Der Grundstein für den späteren Kaisergarten Siegen wurde allerdings schon früher, und zwar 1863, gelegt. Als Initiator gilt der Siegener Gastwirt Johannes Geffert (* 9. April 1806, ✝ 7. Januar 1889), der seit dem 15. Mai 1836 in zweiter Ehe mit Margarete Lep (✝ 20. Dezember 1859) verheiratet war. 1853 hatte Geffert für 3.600 Taler den Gasthof "Zum Kronprinzen" in der Löhrstraße in Siegen erworben. Zehn Jahre später ließ er zwischen Sandstraße und der Kampenstraße ein Gasthaus inmitten einer großen Gartenwirtschaft errichten.

In einem Pressebrecht vom 22. Mai 1863 heißt es: "Der Bau eines geräumigen Sommertheaters ist bereits in Angriff genommen. Dasselbe erhält eine in jeder Beziehung geeignete Stelle in dem früheren Schaub´schen Garten am Kampen, den Herr Johannes Geffert käuflich erworben hat. Das Gebäude wird 65 Fuß lang und 52 Fuß tief und bekommt somit eine ansehnliche Größe. Wie wir hören, stehen uns in diesem Sommer in jenem Gartenlokale, welches der jetzige Besitzer wesentlich zu verschönern beabsichtigt, noch manche musikalische Genüsse in Aussicht“. Die Siegener Brauereien scheinen finanziell beteiligt gewesen zu sein. In der Festhalle von „Geffert´s Garten“ und in den Grünanlagen fanden von nun an regelmäßig Theateraufführungen, Musikkonzerte und Kulturveranstaltungen, aber auch politische Veranstaltungen und Reden statt. Sowohl die Darbietungen als auch das gesellige Ambiente sorgten dafür, dass sich die Versammlungsstätte schnell zu einem echten Publikumsmagneten entwickelte.

1895 übernahm der in Reichenborn im Oberlahnkreis gebürtige Wilhelm Ludwig, der zuvor die Oranienbrauerei in Dillenburg bewirtschaftet hatte, das Gasthaus. Wegen des großen Erfolges erklärte sich die Siegener Aktienbrauerei als Eigentümerin des Kaisergartens Siegen dazu bereit, einen großzügigen Umbau vorzunehmen. Das Lokal wurde durch zusätzliches Saalangebot mit Kegelbahn und Übernachtungsmöglichkeiten nicht nur in baulicher Hinsicht attraktiv gestaltet. 1906 war der Saalbau hergestellt. Auch die Programmvielfalt konnte sich dem wilhelminischen Zeitgeist entsprechend durchaus sehen lassen. Auf den Bühnen des Kaisergartens fanden Ringkämpfe statt, es wurde fröhlich musiziert und Szenen vom „Russisch-Japanischen Krieg“ (1904) nachgestellt. Selbst die ersten Stummfilme wurden hier ab 1907 der Siegener Öffentlichkeit vorgeführt. 1910 schied Ludwig aus der Leitung des Kaisergartens aus, der das Bioskop-Theater in der Kölner Straße übernahm. Zudem erwarb Ludwig das Tonhallen-Theater in der Bahnhofstraße, riss es ab und errichtete das Metropol-Theater.

Direkt neben dem Hotel Kaisergarten stand die einstmals von der Brauerei für eigene Regie zurückbehaltene Gastwirtschaft Mengele, die den besten Umsatz aller Siegener Gastwirtschaften gehabt haben soll. Der Betrieb des „Vergnügungs-Etablissement“ Kaisergarten Siegen mit Kapazitäten für bis zu 2.000 Gäste wurde 1914 vorübergehend eingestellt. Im Ersten Weltkrieg fungierte der Kaisergarten bis 1918 als Reservelazarett zur Aufnahme und Behandlung verwundeter und erkrankter Soldaten. 1922 wurde nach eingehender Renovierung ein christliches Hospiz mit Hotelbetrieb eröffnet. „In unseren vollständigen neu eingerichteten 24 Fremdenzimmern mit 35 Betten finden unsere Gäste behagliche Unterkunft. Fließendes kaltes und warmes Wasser in allen Zimmer, Zentralheizung, elektrisches Licht, Bäder, Lese- und Schreibzimmer. Unsere drei Konferenzräume empfehlen wir Industrie und Handel, Vereinen und Korporationen“, so die Kaisergarten GmbH in der Siegener Zeitung vom 17. Oktober 1922. Parallel konnten die Räumlichkeiten weiterhin von privater Seite angemietet werden. Daran änderte sich auch nichts, als die evangelische Kirchengemeinde Siegen 1930/31 den Kaisergarten erwarb.

Sowohl in der Zeit der „Weimarer Republik“ als auch während des Nationalsozialismus wurden hier neben dem gewohnten Kultur- und Theaterprogramm politische Kundgebungen und Wahlkampfveranstaltungen organisiert. Eine durchgreifende Neugestaltung der Innenräume durch den Siegener Architekten Alfred Richter fand von Mai bis September 1937 statt. Saal- und Restaurationsbetrieb wurden voneinander getrennt, die Garderobe modernisiert, das Kellergeschoss erweitert, Foyer und Empore geschaffen sowie architektonisches Beiwerk wie die als störend empfundenen Mittelsäulen im großen Saal entfernt. Allein der Kaisersaal bot Platz für 900 Besucher, unter Einschluss der Empore sogar für 1.200 Personen. Der kleinere Kupfersaal fasste immerhin 400 Gäste. Von 1932 bis 1942 hatten nacheinander Fritz Steuber und Willi Werth den Kaisergarten gepachtet. Der letzte Pächter war die Familie Paul, der sich später als Gastronom in Hilchenbach niederließ.

Am 1. Januar 1943 ging das Eigentum des Kaisergartens von der evangelischen Kirchengemeinde auf die Stadt über. Der Kaufpreis belief sich auf 310.000 Mark. Davon entfielen 245.000 Mark auf das Grundstück mit Hotel, die Wirtschafts- und Saalgebäude, die Garagen sowie das vorgelagerte Wirtschaftsgebäude Gasthof Mengele. Weitere 65.000 Mark waren für das Mobiliar zu zahlen. Die evangelische Gemeinde hatte im Vorfeld versucht, das Gelände anderweitig zu veräußern, doch konnte wegen Unrentabilität kein anderer Käufer gefunden werden. So deckten die aus der Verpachtung des Hotels und der Vermietung der Säle resultierenden Einnahmen nicht ansatzweise die laufenden Kosten. Der Fehlbetrag belief sich auf jährlich 13.000 Mark erforderlich. Wohlwissend dieser finanziellen Verluste erklärte sich die Stadt zur Übernahme bereit, um so den Hotelbetrieb zu erhalten und die Säle für politische bzw. kulturelle Veranstaltungen zu erhalten. Nach der Übernahme entstand in unmittelbarer Nähe ein Hochbunker, der dem Luftschutz diente.

Am 1. Januar 1943 ging das Eigentum des Kaisergartens von der evangelischen Kirchengemeinde auf die Stadt über. Der Kaufpreis belief sich auf 310.000 Mark. Davon entfielen 245.000 Mark auf das Grundstück mit Hotel, die Wirtschafts- und Saalgebäude, die Garagen sowie das vorgelagerte Wirtschaftsgebäude Gasthof Mengele. Weitere 65.000 Mark waren für das Mobiliar zu zahlen. Die evangelische Gemeinde hatte im Vorfeld versucht, das Gelände anderweitig zu veräußern, doch konnte wegen Unrentabilität kein anderer Käufer gefunden werden.

So deckten die aus der Verpachtung des Hotels und der Vermietung der Säle resultierenden Einnahmen nicht ansatzweise die laufenden Kosten. Der Fehlbetrag belief sich auf jährlich 13.000 Mark erforderlich. Wohlwissend dieser finanziellen Verluste erklärte sich die Stadt zur Übernahme bereit, um so den Hotelbetrieb zu erhalten und die Säle für politische bzw. kulturelle Veranstaltungen zu erhalten. Nach der Übernahme entstand in unmittelbarer Nähe ein Hochbunker, der dem Luftschutz diente. Der alliierte Luftangriff vom 16. Dezember 1944 legte nicht nur die Stadt, sondern auch das ganze Umfeld des Kaisergartens in Schutt und Asche. Der Kaisergartensaal brannte völlig aus. Zum Schutz vor Regen erhielten dieser und der Bühnenraum eine provisorische Dacheindeckung aus Blech. Zum Schutz vor Regen erhielten dieser und der Bühnenraum eine provisorische Dacheindeckung aus Blech. Zum ordentlichen Wiederaufbau fehlten jedoch die erforderlichen Mittel.

Nach dem Krieg nahm das Hotel Kaisergarten relativ schnell wieder seinen Betrieb auf. Der Kupfersaal bot zumindest Raum für kleine Veranstaltungen. Das Gästebuch belegt, dass in der Nachkriegszeit viele Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft im Kaisergarten logierten, unter ihnen Vizekanzler Blücher (April 1947), NRW-Landwirtschaftsminister Heinrich Lübke (Oktober 1949) und Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, der anlässlich einer FDP-Tagung in Siegen Gast war.

1952 wurde im Kaisergarten Siegen „Weltpolitik“ geschrieben und der Grundstein für die spätere Westpolitik Deutschlands gelegt. Am 14. März 1952 fand im Konferenzzimmer des Kaisergartens die erste Evangelische Arbeitstagung der CDU Deutschland zum Thema "Die gesellschaftliche Ordnung" statt. Daran nahmen namhafte Persönlichkeit wie MdB Dr. Friedrich Holzapfel und Bundestagspräsident Dr. Hermann Ehlers teil. Am 16. März 1952 kam Bundeskanzler Konrad Adenauer hinzu, der vor dem Evangelischen Arbeitskreis seine erste öffentliche Stellungnahme zur Stalin-Note abgab und sich zu den Westmächten bekannte. In seiner Rede heißt es auszugsweise:

"Seien wir uns darüber klar, dass dort (im Osten) der Feind des Christentums sitzt. Hier handelt es sich nicht nur um politische, sondern auch um geistige Gefahren. (...) Es gibt drei Möglichkeiten für Deutschland: den Anschluss an den Westen, Anschluss an den Osten und Neutralisierung. Die Neutralisierung aber bedeutet für uns die Erklärung zum Niemandsland. Damit würden wir zum Objekt und wären kein Subjekt mehr. Ein Zusammenschluss mit dem Osten aber kommt für uns wegen der völligen Verschiedenheit der Weltanschauungen nicht in Frage. Ein Zusammenschluss mit dem Westen bedeutet - und das möchte ich nach dem Osten sagen - in keiner Weise ein(en) Druck gegen den Osten, sondern er bedeutet nichts anderes als die Vorbereitung einer friedlichen Neuordnung des Verhältnisses zur Sowjetunion, zur Wiedervereinigung Deutschlands und zur Neuordnung in Osteuropa. Und das sind auch die Ziele unserer Politik."

Direkt auf die Stalin-Note führte Adenauer aus:

"Im Grunde genommen bringt sie wenig Neues. Abgesehen von einem starken nationalistischen Einschlag will sie die Neutralisierung Deutschlands, und sie will den Fortschritt in der Schaffung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft und in der Integration Europas verhindern. (...) Gegen den sowjetischen Vorschlag nationaler gesamtdeutscher Streitkräfte wandte er ein, dass unter den gegebenen technologischen Bedingungen jede Möglichkeit fehle, sie mit modernen Waffen auszurüsten und zur Verteidigung Gesamtdeutschlands zu befähigen. (...) Es gehören ungeheure Summen dazu, auch nur einige Divisionen auszurüsten, an die wir gar nicht denken können, und deshalb ist dieser Teil der sowjetischen Note nichts weiter als Papier und sonst gar nichts!

Aber die Note ist da, und sie muss beantwortet werden, und sie bedeutet, wenn auch in viel geringerem Maße, als man das allgemein glaubt, doch einen gewissen Fortschritt, und darum dürfen wir keine Möglichkeit außer Acht lassen, zu einer friedlichen Verständigung zu kommen und eine Neuordnung in dem von mir beschriebenen Sinne zu bekommen. Aber auf der anderen Seite dürfen wir unter gar keinen Umständen zulassen, dass eine Verzögerung in der Schaffung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft Platz greift; denn eine solche Verzögerung würde wahrscheinlich auch das Ende dieser gemeinsamen Bestrebungen bedeuten. (...) Wenn diese Dinge jetzt nicht zu Ende gebracht werden, dann sind sie nach meiner Auffassung ein für alle Mal vorbei, und darum wiederhole ich: Der allgemeine Standpunkt gegenüber dieser Note muss sein: Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass jede Möglichkeit, bald zu einer Neuordnung Osteuropas zu kommen, ausgenutzt werden muss. Wir dürfen aber ebenso wenig ein Werk, wie es sich jetzt der Vollendung nähert, zum Stillstand bringen; denn dann würden die Dinge sehr schlimm werden."

Ziel der Politik der Bundesregierung - so schloss Adenauer - müsse es sein:

"Wir wollen, dass der Westen so stark wird, dass er mit der Sowjetregierung in ein vernünftiges Gesprächkommen kann, und ich bin fest davon überzeugt, dass diese letzte sowjetrussische Note ein Beweis hierfür ist. Wenn wir so fortfahren, wenn der Westen unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten so stark ist, wie er stark sein muss, wenn er stärker ist als die Sowjetregierung, dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die Sowjetregierung ihre Ohren öffnen wird. Das Ziel eines vernünftigen Gesprächs zwischen Westen und Osten aber wird sein: Sicherung des Friedens in Europa, Aufhören von unsinnigen Rüstungen, Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit und eine Neuordnung im Osten. Dann endlich wird die Welt nach all den vergangenen Jahrzehnten das werden, was sie dringend braucht: ein langer und sicherer Frieden! Zitiert nach: Hillgruber, Adenauer und die Stalin-Note vom 10. März 1952, in. Blumenwitz u. a. (Hg.), Konrad Adenauer und seine Zeit. Politik und Persönlichkeit des ersten Bundeskanzlers, Bd. 2, Stuttgart 1976, S. 113 f.

Im April 1952 bot die Stadt, um eine Beschlagnahme von Privathäusern zu verhindern, den Kaisergarten der belgischen Besatzungsmacht als Alternative an, doch lehnte diese ab. Mitte Juli 1952 wollte sich die Stadt des 4.315 qm großen Grundstücks entledigen. Sie bot das Stadthotel Kaisergarten inklusive Garagen und Saalgebäude einzeln oder in seiner Gesamtheit zum Kauf an. In der in der Siegener Zeitung veröffentlichten Annonce führte die Stadt aus, dass die Säle gleichermaßen für Industrie oder sonstige gewerbliche Unternehmen geeignet seien und losgelöst vom Hotelbetrieb erworben werden könnten.

Allerdings fand sich kein Käufer, so dass das ehemalige Stadthotel Kaisergarten ab 1953 als Notunterkunft für Flüchtlinge und Aussiedler diente. Ende Juli 1955 waren dort 75 Flüchtlingsfamilien und 14 alleinstehende Personen untergebracht. 40 von ihnen befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits länger als ein Jahr im Kaisergarten. Teils warteten die Insassen auf den Bau von 64 Wohnungen, in die auflagengemäß aber nur die Flüchtlinge eingewiesen werden durften, die lastenausgleichsberechtigt waren. Wegen der starken Inanspruchnahme waren die Räume des Kaisergartens Ende Oktober 1959 sehr stark verwohnt. Vertriebenenbeirat und Wohlfahrtsausschuss gelangte daher zu der Ansicht, dass es besser sei, keine Renovierungsarbeiten mehr durchzuführen, sondern auf die Benutzung des Kaisergartens zur Unterbringung von Flüchtlingen zu verzichten und statt dessen ein neues Übergangsheim – möglicherweise am Lindenberg – zu bauen.

Im Sommer 1961 ließ die Stadt das Hotel Kaisergarten bis auf die Grundmauern abreißen. Lediglich der Kupfersaal und der große Saal, der einem Möbelhaus als Lager diente, blieben erhalten. Ende September 1968 fiel die Entscheidung, auch die noch verbliebenen Reste der Gebäude des ehemaligen Hotels Kaisergarten inklusive des angrenzenden Kaisersaals, abzubrechen. Die dafür erforderliche Genehmigung erteilte die Stadt Anfang Oktober 1968 und beauftragte die Firma Runkel mit dem Abriss. Bereits im Februar des gleichen Jahres war die Idee aufgekommen, am selben Standort im Schnittpunkt mehrerer Hauptverkehrsstraßen in der Mitte Siegens (heute Sandstraße 160 - 162), direkt an den Hochbunker angrenzend, ein 14-stöckiges Hochhaus, fünfgeschossiges Hotel sowie ein Ladenzentrum zu errichten.

Die Planung geht auf die Frankfurter Architekten Max Meid und Helmut Romeick zurück, die sich gleichermaßen für die spätere Umsetzung verantwortlich zeichneten. Die Bauvoranfrage für das Projekt Kaisergarten ging im Februar 1968 bei der Stadtverwaltung ein. In den folgenden Monaten wurden die Pläne wiederholt überarbeitet. Nach den Abbruch der Siegener Hotels Huthsteiner und Monopol bestand ein erhöhter Bedarf an Betten und Übernachtungsmöglichkeiten. Dies bedingte, ebenso wie der Erwerb eines weiteren Grundstücks zur Arrondierung des Geländes, die Änderung der Kaisergarten-Pläne. Zudem sollte der Blick auf das Obere Schloss freigehalten werden. Letztendlich wurde das Büro- Verwaltungshaus auf fünf Geschosse reduziert und das Hotel zu einem achtgeschossigen Bau aufgestockt. Akzentuiert durch einen eingeschossigen Ladentrakt im nördlichen Bereich sowie einer Verbindung aller drei Baukörper durch eine Fußgängerpassage. In der Werbebroschüre „Wiederaufbau Kaisergarten / Siegen 1969 - 1970“ wird dazu ausgeführt:

„Durch die räumliche Konzentration und gegenseitige Befruchtung von Ladenzentrum, Büros, Praxen, Luxuswohnungen mit ausreichenden Parkmöglichkeiten sowie einem leistungsfähigen Hotel- und Gaststättenbetrieb, entsteht eine reizvolle städtebauliche Dominante mit einem neuen Interessensschwerpunkt für die Siegerländer Bevölkerung. Nach Erfolgen in anderen Groß- und Mittelstädten erstmalig in Siegen: Für freie Berufe, Einzelhändler, Gewerbetreibende die Vorteile eines festen Domizils in repräsentativer Lage auf Eigentumsbasis und damit: Unkündbarkeit, Sicherheit vor Mietpreissteigerung, sichere Existenzgrundlage, erhöhte Abschreibung in den ersten Jahren und daher steuerliche Vorteile“.

In der Werbebroschüre „Wiederaufbau Kaisergarten / Siegen 1969 - 1970“ wird dazu ausgeführt:

„Durch die räumliche Konzentration und gegenseitige Befruchtung von Ladenzentrum, Büros, Praxen, Luxuswohnungen mit ausreichenden Parkmöglichkeiten sowie einem leistungsfähigen Hotel- und Gaststättenbetrieb, entsteht eine reizvolle städtebauliche Dominante mit einem neuen Interessensschwerpunkt für die Siegerländer Bevölkerung. Nach Erfolgen in anderen Groß- und Mittelstädten erstmalig in Siegen: Für freie Berufe, Einzelhändler, Gewerbetreibende die Vorteile eines festen Domizils in repräsentativer Lage auf Eigentumsbasis und damit: Unkündbarkeit, Sicherheit vor Mietpreissteigerung, sichere Existenzgrundlage, erhöhte Abschreibung in den ersten Jahren und daher steuerliche Vorteile“.

Das komplette Büro- und Geschäftshaus am Kaisergarten wurde vom Siegener Bauunternehmen Christian Runkel errichtet und in Teileigentum veräußert. Die Einzigartigkeit des Projektes zeigt sich allein daran, dass im fünfgeschossigen Hochhaus eine Bürofläche von 1.569 qm inklusive 396 qm reiner Wohnfläche geplant war. Zusätzlich sahen die finalen Entwürfe, die letztlich auch zur Ausführung gelangten, weitere Laden- und Verkaufsflächen von 454 qm (Verkaufsräume im Kellergeschoss des Haupthauses), 434 qm (Kellergeschoss im Pavillon), 674 qm (Erdgeschoss im Haupthaus) und 543 qm (Erdgeschoss im Pavillon) vor. Die Baugenehmigung wurde im April 1969 beantragt und Ende Oktober 1969 erteilt, die wegen der Anzahl der Geschosse im Juni 1970 nochmals der Anpassung bedurfte.

Die Ausschachtungsarbeiten für das Hotel begannen bereits im Februar 1969. Die weiteren Arbeiten kamen allerdings langsamer voran, als vom Investor Heinz Hollstein bei Unterzeichnung des Kaufvertrages im Juli 1968 erhofft. Die ursprünglichen Planungen sahen eine Eröffnung des kompletten Hotels, "einem Haus der Superlative von Weltformat", spätestens im Sommer 1970 vor. Allerdings ließ sich dieser Termin nicht halten. Im Juni 1970 hatte das Hotel erst auf vier Etagen mit 70 Betten den Geschäfstbetrieb aufnehmen können. Der offizielle Eröffnungstermin des achtgeschossigen Hotelneubaus mit 101 Hotelzimmern, 170 Betten, Tagungsräumen und Panoramabad in der achten Ebene, war der 31. August 1970.

Nach dem Wegfall der Hotels Huthsteiner und Monopol wurde der Hotelbau Kaisergarten auf Drängen der Stadt und des Eigentümers Hollstein vorgezogen. Erst nach nahezu kompletter Fertigstellung des Hotelkomplexes konnten im März 1970 die Arbeiten für das angrenzende Geschäftszentrum beginnen, das bereits ein Jahr später, im Frühjahr 1971, im Rohbau stand. Am 8. Mai 1971 wurde die Richtkrone auf dem Dach des fünfgeschossigen Bürotraktes des Geschäftszentrums gesetzt. Im September 1972 waren die Arbeiten nahezu vollständig abgeschlossen. Die Siegener Zeitung titelte unter dem 2. September 1972 "Kaisergarten aus dem Dornröschenschlaf erweckt":

"Das Büro- und Ladenzentrum Kaisergarten, Siegen bauliche Visitenkarte am Nordeingang zur Innenstadt, hat Gesicht gewonnen. Nach fast dreijähriger Bauzeit befinden sich die Restarbeiten im Innenausbau des terrassenförmigen Bürotrakts mit den vorgelagerten Geschäftspavillons entsprechend den Wünschen der Käufer und Mieter im Endstadium. Wie der Sprecher der Bauherrengemeinschaft zu verstehen gab, ist abzusehen, dass der letzte Mieter bis Ende des Monats eingezogen ist (...). Unter anderem haben hier allein fünf Fachärzte ihr neues Domizil aufschlagen. Elf Einzelhandelsgeschäfte bilden in exponierter Verkehrslage eine bunte Einkaufspalette".

Zu den ersten gewerblichen Mietern / Eigentümern im Bereich der Verkaufsflächen gehörten u. a.: Chemische Reinigung Righoffer Verkaufsleitung Kurt Ballmann aus Solingen, Friseurgeschäft Dieter Haardt, Heinrich August Schulte (Einzelhandel), Apotheke am Kaisergarten (Inhaber Malte Beyer), Haus der Dame (Betzgen KG), Blumen Ludes-Nöcker, Helmut Vetter (Einzelhandel mit Dekorationswerkstatt) und Guiseppe Bertocin (Gastronomie). In dem fünfgeschossigen Hauptgebäude siedelten sich vorwiegend Dienstleister, darunter Ärzte unterschiedlicher Disziplinen, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer an. 2002 feierte der "neue" Kaisergarten sein dreißigjähriges Bestehen. Im Jahr zuvor hatte das Objekt im Bereich der Einkaufspassage eine moderne offene Glasüberdachung erhalten.

Der Kaisergarten – 1968 als einzigartiges Gebäudeensemble in der Siegener Stadtarchitektur geplant – hat bis heute nicht an seiner Attraktivität verloren. 2014 wurde das Hauptgebäude modernisiert, das u. a. einen neuen Anstrich erhielt. Auch die Außenbeschilderung wurde den Bedürfnissen eines aktuellen Büro- und Ärztehauses, nunmehr direkt gegenüber dem 2014 in Betrieb genommenen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) gelegen, angepasst.

Aktuell sind im Kaisergarten u. a. beheimatet: Zahngesund Prophylaxe-Zentrum, Zahnarztpraxis Dr. Lösser, Dipl. Kfm. Schreiber und Partner GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft - Steuerberatungsgesellschaft, Mandata GmbH, Rechtsanwälte Baranowski & Kollegen – Rechtsanwälte / Fachanwalt für Familienrecht / Fachanwalt für Mietrecht, Dr. Mathias Eisfeld, Dr. Wassilij Tscherleniak, Friseur Styling Station, Blumen Nöcker und die Dekoration Vetter GmbH. Verwaltet wir der Kaisergarten derzeit von der ImmoWert Immobilienmanagement GmbH.

Die Redaktion dankt dem Stadtarchiv Siegen, insbesondere Herrn Christian Brachthäuser, der wichtige Informationen zur Entwicklung des Kaisergartens bis Ende der 1950er Jahre zur Verfügung stellte. Weitere Unterlagen lieferte Herr Stephan Hahn, die im November 2014 beim Bauamt der Stadt Siegen eingesehen werden konnten. Ohne das Engagement von Herrn Dr. Weber vom Archiv der Siegener Zeitung wäre eine solch ausführliche Zusammenstellung zum Kaisergarten unmöglich gewesen. Nach Zeitabschnitten chronologisch sortiert wurden von Herrn Dr. Weber umfangreiche Kopien aus dem Bestand der Siegener Zeitung zur Verfügung gestellt. Dafür ganz herzlichen Dank! Gedankt sei letztlich auch der Firma Foto Loos, die einen Teil des Fotomaterials beigesteuert hat. Das weitere Bildmaterial stammt aus dem Stadtarchiv Siegen, dem Bauamt der Stadt Siegen und den Privatsammlungen von Zahnarzt Dr. Frank Lösser und Rechtsanwalt Frank Baranowski.

Die vorliegende Darstellung zur Geschichte des Kaisergartens soll kontinuierlich fortgeschrieben werden. Haben Sie Unterlagen, Prospekte, Werbematerial, Postkarten oder weitere Fotos vom Kaisergarten Siegen? Dann würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen. Sprechen Sie uns an.