Kölsch Fölzer Werke am Kaisergarten Siegen

Die Kölsch-Fölzer-Werke waren bis Anfang der 1980er Jahre einer der größten Arbeitgeber des Siegerlandes. Das Unternehmen ging im November 1921 aus mehreren Industrieunternehmen des Siegener Raums hervor. Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen, die Siegerländer Walzengießereien zusammen zu schließen, doch ließ sich über eine Preisvereinigung hinaus keine weitere Verständigung erzielen. Erst die völlig veränderten Verhältnisse der Nachkriegsjahre veranlassten zum Umdenken, als es um die Frage des Erhalts der gesamten Branche und ihrer Wettbewerbsfähigkeit ging. Die Initiative ging von der Darmstädter Bank in Wiesbaden aus, die durch den Erwerb der Aktienmehrheit der Siegen-Lothringer Werke AG und die der Firma Kölsch & Co. den wesentlichen Einfluss erworben hatte. 1920 entschied die Bank, die beiden alteingesessenen Unternehmen miteinander zu vereinen. Wegen einer Kapitalunterdeckung schloss sich auch die Siegener Kesselschmiede Stähler dem neuen Unternehmensverbund an.

Die Firma Fölzer hatte bis dahin eine lange Tradition. Der Schlosser und Kesselschmied Heinrich Fölzer hatte die Firma gegründet, die von seinen Söhnen Karl, Ludwig und Wilhelm fortgeführt wurde. Ab 1859 bauten sie Dampfkessel für die Siegener und Olper Industrie. Im Januar 1862 wurde das Unternehmen H. Fölzer Söhne in das Handelsregister eingetragen und 1875 um eine Eisengießerei erweitert, die vorwiegend für den Brückenbau arbeitete. 1882 erwarben die Inhaber die Agneshütte in Haiger und erweiterten 1897 die Produktionsstätten durch den Bau einer Konstruktionswerkstätte in Lothringen. Nur zwei Jahre später erfolgte der Anschluss der Metallgießerei und Kupferschmiede Will & Hundt in Geisweid, bevor 1899 die Umwandlung in die Siegen-Lothringer Werke AG, vorm. Heinr. Fölzer Söhne, vollzogen wurde. Das Gesellschaftskapital belief sich auf 1,5 Millionen Mark. 1913 fiel die Entscheidung, in Dreis-Tiefenbach ein weiteres Werk zu errichten, das während des Ersten Weltkriegs weiter ausgebaut wurde.

Das zweite vom Zusammenschluss betroffene Unternehmen war die Kölsch & Co. AG, die 1892 als Walzengießerei und Dreherei auf der Rinsenau unterhalb Siegens entstanden war. Im Jahr nach der Existenzgründung beschäftigte das Unternehmen 30 Personen, deren Zahl stetig wuchs. 1899 zählte das Unternehmen bereits 150 Mitarbeiter. Wegen der stark gestiegenen Exportnachfrage errichtete Kölsch ein Zweigwerk in Aussig in Böhmen, das 1905 seinen Betrieb aufnahm. Um sich vom Roheisenbezug unabhängig zu machen, erwarb Kölsch im Jahre 1918 die Eiserfelder Hütte, eines der ältesten Siegerländer Hochofenwerke, das 1936 an die Firma Gontermann-Peipers veräußert wurde.

Das älteste der 1921 fusionierenden Unternehmen war die Kesselschmiede von Heinrich Stähler, die bis 1872 unter dem Namen Stähler & Schnutz firmierte. Mit Eintritt des Sohnes Fritz 1878 behauptete sich das Unternehmen als Zulieferer für Hochöfen und Gruben. Dieser Aufwärtstrend  fand 1894 mit der Gründung einer Niederlassung in Niederjeutz in Lothringen, die 1919 verloren ging und während des Zweiten Weltkriegs von den Kölsch-Fölzer-Werken erneut gepachtet wurde, Bestätigung. Allerdings fehlte die Nachhaltigkeit, so dass der Zusammenschluss mit der Siegen-Lothringer Werke AG und der Firma Kölsch & Co. unvermeidbar war. Nach dem Zusammenschluss stellte der Konzern die Produktion im ehemaligen Stähler-Werk in Weidenau ein. Die Gebäude wurden komplett abgerissen und das Fabrikgelände an die Reichsbahn veräußert.

In der Generalversammlung vom 18. November 1921 fiel die Entscheidung, dem neu geschaffenen Unternehmensverbund den Namen Kölsch-Fölzer-Werke AG zu geben. Wenige Monate später, nämlich im April 1922, stellte sich der Konzern mit der Übernahme der Gießerei- und Maschinenfabrik Paul Schütze & Co. AG in Oggersheim bei Ludwigshafen, einem Zulieferer für die Chemische Industrie, noch breiter auf. Die Konzernzentrale war im Kreuzweg 14 in Siegen (heute Fölzerstraße / Ecke Hohler Weg), in unmittelbarer Nähe zum Kaisergarten Siegen, beheimatet. Mit der Fusion entwickelten sich die Kölsch-Fölscher-Werke zu einem der größten Unternehmen des Siegerlandes, das schwerpunktmäßig Blech- und Eisenkonstruktionen für den Hochofenbau und für die Erzaufbereitung herstellte. Außerdem gehörten zur Produktpalette Eisenkonstruktionen für Hallen, Hochspannungsmasten, Tanks für Brennstofflagerung, Turbinen-Rohrleitungen und Apparate für die chemische Industrie. Ab 1925/26 kamen komplette Kältemaschinen inklusive der notwendigen Zubehörteile, wie Kondensatoren, Verdampfer und Sohlerohre hinzu.  

1937 zählte der Konzern 1.024 Mitarbeiter, davon allein 740 in den Siegerländer Betrieben. Die Kölsch-Fölzer-Werke waren in vielfältiger Weise in die Rüstungsproduktion eingebunden. Im Februar 1941 bekamm das Unternehmen vom Oberkommando des Heeres das Produktionskennzeichen „bna“ zugewiesen. Das Reichsminsiterium für Rüstung und Kriegsproduktion führte die Kölsch-Fölzer-Werke unter der Nummer 0/0573/0088. Während des Krieges verließen gusseiserne Walzen, Dampffässer, Flugzeughallen, Förderbrücken, Fördertürme, Rohre, Rohrleitungen, Gasreiniger, Hartgussrollen für Richtmaschinen, Kranbahnen, Laugenbehälter, Hochdruckbehälter, Stahlbrücken sowie genietete Behälter zur Lagerung von Treibstoffen und Öl die Kölsch-Fölzer-Werke. Gegen Kriegsende belieferte der Konzern im Auftrag des  Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion das Verlagerungsprojekt „Büffel“ der Dessauer Junkers-Werke. Unter diesem Decknamen beabsichtigte der Flugzeugbauer in den Kalischächten von Aschersleben vor Luftangriffen geschützt ein Untertagewerk zur Produktion von Flugzeugteilen in Betrieb zu nehmen.

Mit zunehmenden Kriegsverlauf zeigte sich, insbesondere auch wegen des Abzuges deutscher Arbeitskräfte zur Wehrmacht, ein massiver Arbeitskräftemangel. Den steigenden Bedarf deckte das Unternehmen durch die Hereinnahme ausländischer Arbeitskräfte. Eine Aufstellung aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, datierend vom 24. April 1946, weist 48 Franzosen, 21 Tschechen, jeweils neun Belgier und Holländer, acht Polen, sechs Dänen, drei Marokkaner und einen Bulgaren aus. Zudem standen 32 sogenannte „Ostarbeiter“, Arbeitskräfte aus Russland und der Ukraine, an den Werkbänken der Kölsch-Fölzer-Werke. Sie waren in einem Lager im Stumme Lochweg 5 (Markierung Nr. 6 auf der Karte) untergebracht, bewacht von zwei Wachleuten des Werkes. Aus dem Eintrag in der Reichsbetriebskarte ergibt sich, dass Mitte Mai 1944 insgesamt 990 Personen an den Werkbänken der Kölsch-Fölzer-Werke standen.

Im Vergleich zu anderen Siegerländer Unternehmen blieben die Fölscher-Werke von Luftangriffen weitestgehend verschont. Nach der Besetzung kamen sie auf die Demontageliste und waren zur Schleifung vorgesehen, doch konnte dies in sprichwörtlich letzter Sekunde abgewendet werden. Der Einspruch des Unternehmens hatte Erfolg und das Unternehmen wurde von der Demontageliste abgesetzt. Damit war der Grundstein für den Neuanfang gelegt. Nach dem Krieg spezialisierten sich die Kölsch-Fölzer-Werke auf den Hüttenbau, u. a. in Schweden und Finnland. Die neue Ausrichtung des Konzerns wurde 1948 mit der Gründung der Hüttenbau Gesellschaft mbH mit Sitz in Düsseldorf, spezialisiert auf Planung und Vertrieb von Hüttentechnologie, eingeleitet. 1954 übernahmen die Kölsch-Fölzer-Werke zumindest vorübergehend die auf den Bau von Zementwerken spezialisierte Frankfurter Firma Fellner & Ziegler, die der Konzern 1964 wieder verkaufte.

1962 versuchten die Kölsch-Fölzer-Werke mit einer weiteren 100%igen Tochter, und zwar der Deutschen Filterbau GmbH mit Sitz in Siegen, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Die Bemühungen blieben mittelfristig allerdings ohne Erfolg. 1983 musste der Konzern Konkurs anmelden. Mehr als 1.200 Arbeitskräfte verloren so ihren Arbeitsplatz. Die Werksgelände wurden zum überwiegenden Teil einer anderweitigen Nachnutzung zugeführt, die darauf befindlichen Gebäude teils abgerissen. Das Gebäude der ehemaligen Konzernzentrale der Kölsch-Fölzer-Werke (heute Hohler Weg 75) blieb erhalten und dient heute als Büro- und Geschäftshaus.

Die Redaktion dankt Frau Elisabeth Strautz vom Kreisarchiv in Siegen für die engagierte Unterstützung des Projektes. Die bisherigen Erkenntnisse basieren vorwiegend auf der Auswertung der dort vorhandenen Unterlagen. Zudem wurden von Frau Strautz weitere Hinweise zu möglichen Quellen gegeben und der Kontakt zu einem langjährigen Mitarbeiter der Kölsch-Fölzer-Werke vermittelt. Das Stadtarchiv in Siegen stellte weiteres Material zur Auswertung zur Verfügung. Auch dafür ganz herzlichen Dank.

Das historische Foto des Verwaltungsgebäudes (Bild 2) wurde der Chronik der Kölsch-Fölzer-Werke entnommen. Die Aufnahmen der Betriebsstätte selbst (Bilder 1, 3 und 4), die bearbeitet und aufbereitet wurden, stammen aus dem Bestand des Kreisarchivs (Fotograf Besser), die Karte vom Ostarbeiter-Lager im Stumme Lochweg aus dem Stadtarchiv und die weiteren Bilder aus Privatbesitz (Sammlung Frank Baranowski, Siegen).

Der vorliegende Text stellt nur eine Momentaufnahme dar. In der kommenden Wochen stehen weitere Archivrecherchen an. Außerdem würden wir uns freuen, wenn Sie uns bei der Suche nach weiteren Informationen behilfilich wären. Sind Ihnen weitere Detaills bekannt? Verfügen Sie über Fotoaufnahmen von den Kölsch-Fölzer-Werken oder den ehemals eigenständigen Einzelunternehmen? Dann würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen. Sprechen Sie uns an oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Wir rufen Sie auch gerne zurück.